Die goldene Taglilie: Wie der Jin Xuan (金萱) zu seinem Namen kam
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Die meisten Teesorten tragen nüchterne Namen. Sie verweisen auf einen Berg, eine Region oder schlicht auf eine Nummer aus dem Zuchtregister. Beim Jin Xuan (金萱) ist das anders. Sein Name führt zu einer Blume – und zu einer Familiengeschichte.
Die Blume der Mutter
In der chinesischen Kultur ist die Taglilie traditionell die Blume der Mutter. Man pflanzte sie vor den Wohnbereich der Hausherrin, häufig von Söhnen, die für längere Zeit fortgingen. Die Blume sollte den Kummer der Zurückbleibenden lindern.
Daraus entstand ein zweiter Name für die Pflanze: Vergiss-die-Sorgen-Gras. Wer eine Taglilie im Hof stehen hatte, sollte weniger schwer an der Abwesenheit der Kinder tragen. Ob das funktioniert hat, weiß niemand. Aber der Name ist geblieben.
In Taiwan ist die Pflanze bis heute allgegenwärtig. An der Ostküste rund um Hualien färben sich im Spätsommer ganze Hänge orange – dort wird die Taglilie als Nutzpflanze angebaut, denn die geschlossenen Knospen sind getrocknet eine feste Größe in der taiwanesischen Küche.
Ein Teeforscher und seine Großmutter
In den 1980er Jahren entwickelte in Taiwan ein Mann namens Wu Zhenduo eine neue Teesorte. Er ist auch als Vater des taiwanesischen Tees bekannt.
Seine neue Sorte bekam die nüchterne Registernummer TTES No. 12. Der Überlieferung nach gab Wu ihr zusätzlich den Namen seiner Großmutter: Jin Xuan (金萱). Übersetzt heißt das goldene Taglilie.
Warum der Name so gut passt
Der Name beschreibt noch etwas anderes: die Farbe. Gieß einen Jin Xuan auf und schau von oben in die Tasse. Der Aufguss ist warm und goldgelb – tatsächlich sehr ähnlich dem Ton einer Taglilie.
Ein Tee mit Familiengeschichte
Man muss die Geschichte nicht kennen, um einen Jin Xuan zu mögen. Aber sie verändert etwas. Aus einer Sortenbezeichnung wird eine Erinnerung an eine Großmutter, die vermutlich nie erfahren hat, wie weit ihr Name einmal reisen würde.
Unseren Jin Xuan kaufen wir übrigens direkt bei einem lokalen Teeproduzenten in Taiwan ein – naturbelassen und ohne Zusätze. Wie man echten Jin Xuan von aromatisierter Ware unterscheidet, haben wir in einem eigenen Beitrag beschrieben: Warum dieser Oolong nach Milch schmeckt – ganz ohne Milch.
Quellen
- Landwirtschaftsministerium Taiwan: Die Taglilie als Blume der Mutter in China – zur Tradition, Taglilien vor dem Wohnbereich der Hausherrin zu pflanzen, und zum Beinamen „Vergiss-die-Sorgen-Gras"
- Forstforschungsinstitut Taiwan, Botanischer Garten Taipeh: Taicha Nr. 12 (Jin Xuan) – zur Benennung nach Wu Zhenduos Großmutter und der Schwestersorte Cui Yu nach seiner Mutter
- Liberty Times: Jin Xuan und Cui Yu – die Namen von Großmutter und Mutter
- Landwirtschaftsministerium Taiwan, Wissensportal: Taglilienanbau am Liushishi-Berg, Fuli, Landkreis Hualien – zu Anbaugebiet, Blütezeit und Nutzung der Knospen